b l a t t w e r k

Kopulation im Himmelreich

20. Oktober 2009 · 1 Kommentar

fatboy_slim

Manche Anekdoten sind zu lang für 140 Zeichen. Zum Beispiel folgende Schulgeschichte, an die wir uns gerne erinnern und dann lachen. Und auch später, wenn wir alt und hässlich sind, werden wir uns erinnern und dann lachen und so die grauenvollen Auswirkungen des Alters für Sekunden vergessen können.

1998, achte Klasse, Norman Cook veränderte mit Big Beat die Welt, machte sie besser, wir rollten auf einer Welle fetter Bässe durch die Jugend. Englischunterricht. Wir übten ganz alltäglichen Smalltalk. Unsere Lehrerin, Frau Thomas, war schon ein bisschen älter und sehr auf gute Manieren bedacht – very british, oder so. Julian war sowas wie ein Klassenclown.

Fr. Thomas: „So, Julian, what are you doing in your free time?“

Julian: „I am listening to Fatboy Slim!“

Fr. Thomas: „Who is Fatboy Slim?“

Julian: „FATBOY SLIM IS FUCKING IN HEAVEN!“

Einen Raumverweis später hatten wir uns dann totgelacht.

(Bild: CC by minifig/Flickr)

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Infinite-Twitpic-Theorem

17. Oktober 2009 · 1 Kommentar

Es gibt da dieses Theorem, das besagt, dass Affe + Schreibmaschine + unendlich Zeit = William Shakespeares Werke ergibt. Variationen davon erhöhen die Anzahl der tippenden Affen bis ins Unendliche oder wollen als Ergebnis keine englische Schnarchliteratur, sondern sowas fetziges wie den Gesamtbestand der französischen Nationalbibliothek. Auf Wikipedia ist das ganze sehr schön erklärt, auch wenn es einige Spinner mal wieder übertreiben mussten mit ihrer Formelmasturbation.

Die schockierende Wahrheit ist, dass dieses Theorem bereits in der Praxis umgesetzt wird. Geschickt getarnt als Twitterbildchendienst Twitpic. Die beschäftigen leider keine Affen an Schreibmaschinen, sondern seelenlose Maschinen, die jedem hochgeladenen Bild eine Zufalls-URL zuweisen. Natürlich kommt da bei 99,9% nur Quatsch bei heraus, genau wie bei den Affen, aber ab und zu produziert der Zufall Worte mit Sinn – die natürlich nicht das geringste mit dem jeweiligen Bild zu tun haben. So gibt es etwa folgenden Prosatext, der eindeutig dadaistisch-aphrodisisch inspiriert ist.

twitpic.com/HELLO
twitpic.com/WANT
twitpic.com/FUCK
twitpic.com/CAUSE
twitpic.com/ME
twitpic.com/LIKE
twitpic.com/SEX

Andere, mitunter fatalistische Werke handeln von den Herausforderungen des tristen Alltags.

twitpic.com/MY
twitpic.com/CAR
twitpic.com/BROKE
twitpic.com/DOWN
twitpic.com/WHAT
twitpic.com/AMESS
twitpic.com/CONS
twitpic.com/IDER
twitpic.com/SUI
twitpic.com/CIDE

Und so läuft sie, die Literaturmaschine.

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:) \o/

17. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

esr

Emoticons haben unter Menschen, die meinen, etwas von geschriebener Sprache zu verstehen, einen schlechten Ruf. Man mache es sich ja auch allzu leicht, metasprachliche Signale, Ironie, Zynismus und so weiter mit einem simplen Smiley auszudrücken. Da gehe das Gefühl für Sprache verloren, man müsse sich bei der Formulierung nicht mehr anstrengen et cetera bla bla.

Ich halte das bisweilen für Quatsch, bisweilen für richtig. Fest steht, dass Emoticons in der medialisierten Alltagskommunikation dominanter werden (vgl. dazu diesen Tweet von @id404). Fest steht auch, dass Emoticons mitunter kein platter Ersatz, keine Abkürzung mehr sind: sie sind selbst Gegenstand von (ironisch gebrochener) Reflektion. Sie werden mit viel Feingefühl eingesetzt. So wie hier auf esreality.com, einer Communityseite für so genannten E-Sport, also kompetitiv betriebene Computerspiele. Demnächst startet ein großes E-Sport-Event in Dubai. Alle großen Quake Live-Spieler sind am Start und in einer Ankündigung wurde allerausführlichste Berichterstattung versprochen. Berichterstattung heisst hier: Livestream der Spiele, dazu Kommentar. Macht unglaublichen Spaß. Sollte man also nicht verpassen.

Die Coverage ist so ausführlich, dass ein ganzes Wochenende dafür draufgehen könnte. In den Kommentaren zu der Ankündigung diskutieren die User nun über eventuelle Schwierigkeiten, die der Besitz, äh, das Vorhandensein einer Freundin auslösen könnte. Der User becks benutzt Emoticons dabei auf eine wunderbare Art und Weise, die seine Hin- und Hergerissenheit illustriert: Einerseits kommt seine Freundin zurück, was ihn freut, andererseits wird ihm diese erfreuliche Tatsache das Verfolgen der Berichterstattung verunmöglichen. Dafür braucht becks nicht mehr als zwölf Worte und vier Smileys.

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#rzf oder Schnitt(chen)stelle Print-Web oder There’s no Path to Follow

28. August 2009 · 4 Kommentare

Entschuldigungen ob der Verstaubtheit dieses Blogs interessieren niemanden und darum widme ich mich direkt dem Thema: Was passiert, wenn eine Regionalzeitung twittert und ihre Follower einlädt? Es folgt ein (natürlich) subjektiv verblattwerktes und eingefärbtes Gehirnprotokoll eines sogenannten „Followerabends“ in Koblenz: Die Rhein-Zeitung gewährt einigen ihrer Follower Zutritt zum „Newsdesk“ (früher sagte man: Redaktion), spricht mit ihnen und lässt sie in den Eingeweiden der Druckerei herumspazieren.

Und natürlich gibt es Schnittchen.

Um Zeuge dieses Symptoms eines Medienumbruches – und der Reaktionen der tradierten Massenmedien darauf – zu werden, genügt: Fragen. Die Redaktion wählt dann nach mir nicht bekannten Methoden unter der mir nicht bekannten Anzahl von Rückmeldungen eine endliche Anzahl von Followern aus, sendet ihnen ein Word-Dokument mit Angaben zu Zeit/Treffpunkt zu und harrt der Fressen, die da kommen.

Ich fuhr zusammen mit dem mächtigen @senadpalic hin und traf auf ein Grüppchen junger Menschen (wobei jung hier bedeutet: ab 19 über Mittzwanziger bis zu Ü40, aber deutlich U50). Interessant: Neben uns wartete ein Rentnerpärchen, die für eine „normale“, also nicht mit Twitter assoziierbare, Führung gekommen waren. Wäre ja auch ein weltbildzerschmetternder Klops gewesen.

Ein Trainee begrüßte und führte uns in einen Besprechungsraum, wo wir von Lachs-, Schinken- und Salamischnittchen mit Handschlag begrüßt wurden. Dort aßen wir den @RZChefredakteur sowie einen Redakteur des RZ-Twitterteams. Kann aber auch sein, dass ich da was durcheinanderbringe. Auf jeden Fall leiteten die Schnittchen eine kleine Begrüßungsrunde ein, jeder Follower (mit stilechtem Namensschildchen auf dem Tisch) wurde kurz anmoderiert und dann gefragt, wie er/sie zu Twitter gekommen ist, wie es das Leben beeinflusst, welcher Art die eigenen Tweets sind, was man generell davon hält und Hallo und Leckerdarfichnocheinkäseschnittchen und Wowardochgleichderflaschenöffner. Parallel zum Palaver beamte ein Beamer das jeweilige Profil an die Wand und ein RZ-Schnittchen klickte hier und dort auf einen Link. Spaßig und interessant.

Nach der Kür die Pflicht:Wahrscheinlich aus ehrlicher Interessensvermutung führte uns der oben bereits erwähnte Trainee in den handfest-materiellen Part des RZ-Klotzes: Papierkeller, belasertes Aluminium und gigantische und furchtbar schnelle Druckmonster (Assoziation eines Followers: Schiffsmotor). Sehr laut, insofern verstand man nicht so viel von den Ausführungen des Ausführers, außerdem sorgten die eigenen Mobiltelefone im Allgemeinen sowie @senadpalic im Speziellen für diffundierte Aufmerksamkeit.

Man mag versucht sein, solch eine konservative Gebäudeführung im Rahmen einer Zusammenkunft, die sich um ein  shiny new Medium dreht, für ideenlos oder eine Option aus Mangel an Alternativen zu halten. In Wahrheit aber macht genau dieser Kontrast den Reiz einer solchen Veranstaltung aus: Oben redet man über ein gehyptes Internetmedium und im Keller des gleichen Gebäudes rödeln große Maschinen an einem Blatt aus Papier, wie es traditioneller nicht sein könnte (vgl. Altersdurchschnitt der RZ-Leser). Und so ist es eben doch ganz ertragreich, wenn junge Netzmenschen („Digital Natives“, Zitat Christian Lindner) mit großen Augen dabei zusehen, wie sich eine alte Zeitung (wenn auch leicht verspätet) mit den Herausforderungen des Web auseinandersetzt, ohne den Bodenkontakt zu verlieren.

Außerdem, und das ist ein vielsagendes Detail, war der Chefredakteur die ganze Zeit dabei – und das sicherlich nicht, weil ihm sonst langweilig gewesen wäre. Nach der Führung trug ebendieser noch ein paar Dinge zu crossmedialem Journalismus, den verschiedenen Plattformen der Rhein-Zeitung und dem kommenden Wahlmobil vor, was für mich eigentlich der schwächste Moment des Followerabends war, weil er doch eine großzügige Messerspitze Eigenwerbung enthielt (und der @RZChefredakteur wird sich nun in die diabolische Faust lachen, denn das war ja sowieso eine große Heizdeckenfahrt und dass ich darüber blogge ist ja noch viel mehr Reklame und ach herrje). Und so war es auch nur konsequent, dass wir uns zum Abschied entweder ein Taschenlämpchen oder einen RZ-Knirpsregenschirm als Giveaway aussuchen durften. Sicher aufrichtig nett gemeint, aber überflüssig.

Würde man mich zwingen den Abend knapp zu bilanzieren, so würde ich sagen „schön & gut“, inklusive aller darin enthaltener metasprachlicher Signale. Mit viel Mühe umgesetzt, vielleicht noch zu wenig Dialog (wobei ich mir selbst mangelnde Laberlaune vorwerfen lassen müsste und die Herren ja auch mal Feierabend machen wollten). Und so halte ich es mit diesem Followerabend wie mit der Piratenpartei: Es ist wichtig und ein vielsagendes Anzeichen für kommenden Veränderungen, dass es so etwas überhaupt GIBT. Und dass es so etwas gibt, ist gut so.

Ach ja, Fotos wurden auch gemacht:

http://www.flickr.com/photos/senadpalic (von @senadpalic)

http://www.getdropbox.com/gallery/1860398/1/2009-08-27%20RZ%20Followerabend?h=bac795 (von @mittelrheintal)

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Schrumpfkopftraum

5. November 2008 · 3 Kommentare

Ich bin noch jung. Es ist genau das Alter, in dem sich ein Sohn seiner bedingungslosen Liebe zu seiner Mutter zum ersten Mal bewusst wird. Sieben, acht. Vielleicht neun.

Ich bin krank. Ich trage die Uniformierung der kranken Kinder: Bademantel. Meine Krankheit ist selten und verläuft zwangsläufig tödlich. Ich leide an einem Gendeffekt, der meinen Kopf schrumpfen lässt. Im Endstadium dieser seltenen Krankheit wird mein Schädel aussehen wie einer dieser kleinen Schrumpfköpfe mit zugenähtem Mund. Und dann sterbe ich, weil mein Gehirn zerquetscht wird.

Wenn es schon keine Heilung gibt, so doch wenigstens Linderung. In einem Hochsitz im Wald schabt mir eine junge Katze mit ihren Krallen das Gehirn stückchenweise aus der geöffneten Schädeldecke. Aber das ist so unangenehm, dass ich auf die Therapie verzichte.

Dann legt man mich in eine Mischung aus Webstuhl und Computertomograph. Die Maschine spannt ein Netz aus Schnüren unglaublich fest um meinen Kopf, damit das Gehirn nicht herausfällt. Das ist schon besser, auch wenn es sich jetzt schon fast wie ein richtiger Schrumfkopf anfühlt.

Jetzt bin ich bei Mama. Es wird nicht mehr lange dauern, ich sterbe bald. Mit einer dicken Mütze auf dem Kopf und im kuscheligen Bademantel genieße ich die verzweifelte Liebe einer Mutter zu ihrem todkranken Sohn. Sie gibt mir Medikamente, die mich schon bald schlafen lassen werden. Gleich ist es zu Ende.

Ich stehe am Fenster, sehe hinaus in den Garten. Der Walnussbaum bedeckt den Garten mit seinen giftigen Blättern, es regnet und stürmt. Drinnen ist es warm. Mir wird schwindelig.

Das ist das Zeichen: Jetzt ist es so weit. Ich sage es ihr. Sie weint und bringt mich in das Zimmer meiner Schwester, dort lege ich mich auf das Sofa. Ich bin traurig, aber ich fühle mich wohl. Wir schalten noch ein bisschen den Fernseher an.

webstuhl

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BILDwerk

19. Oktober 2008 · 2 Kommentare

Manchmal weiß ich auch nicht.

Quelle: bild.de.

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Infotainment… nicht (1)

27. Juni 2008 · Kommentar schreiben

Galileo am 27. Juni 2008, Aiman Abdallah teasert die heutigen Beiträge an.

„Todesfalle Grillparty!“

Und so weiter.

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Ein Hitlervergleich (Gastbeitrag)

9. Mai 2008 · Kommentar schreiben

[Betrifft Flashmob-Aktivisten, die auf dem Fahrrad sitzend und im Kreis fahrend einen belebten Verkehrskreisel lahmlegen.]

[TT]: ahahaha

[TT]: die sind wie hitler

[TT]: mit legalen mitteln das system lahmlegen

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Sätze für die Ewigkeit (1)

23. März 2008 · 3 Kommentare

Aus Dänische Delikatessen:

Würste haben mich schon immer fasziniert, wissen Sie? Man könnte schon fast sagen, dass es sogar etwas mythologisches hat: Ein Tier zu töten. Und anschließend steckt man das Fleisch höhnisch in dessen eigenen Darm. Können Sie sich vielleicht irgendetwas erniedrigenderes vorstellen, als in den eigenen Arsch gestopft zu werden? Aber das ist eine der kleinen Freuden, die wir Menschen in unserem Leben haben.

Großartig.

→ 3 KommentareKategorien: Ohne

Ohne Titel

11. Februar 2008 · 3 Kommentare

Ampel: Rot.

Hinter mir: Ein dicker, schwarzer Mann in einem dicken, schwarzen Mercedes.

Er raucht eine dicke, schwarze Zigarre.

„Wenigstens konsequent“, sage ich, und fahre weiter.

→ 3 KommentareKategorien: Bilder