Ein Sommerabend.
So tiefgrün und hart noch
Die Zitrusfrüchte!
Ein Sommerabend.
So tiefgrün und hart noch
Die Zitrusfrüchte!
Im klaren Bach
Springt der winzige Frosch
Ins Bett – viel zu groß!
Von der Libelle
Ein Stück nur, kleines Stück
Reisst sich die Katze.
Silbergrün schimmert
Der junge Olivenbaum -
Oben droht der Mond.
Ohne Nachbar ist
Der Zapfen der Kiefer -
Er lässt endlich los.
Es sitzt und wartet
Schon vier Nächte ohne Regung
Die braune Motte.
Die Pinien schreien
Gegen das Schweigen am Meer,
Aus Kronen Laute.
Die kleine Blüte
Biegt sich unter der Landung
Der schwarzen Hummel…
Da sitzt eine schmutzige Frau in einem sauberen Raum.
Die Frau ist schmutzig, weil der Raum sauber ist.
Der Raum ist sauber, weil die Frau schmutzig ist.
Man könnte auch sagen: Da sitzt ein vergilbter Dreckmagnet im herrlich keimfreien Licht blendend weißer Kacheln.
Fünfzig Cent. „Danke.“
Die Frau ist über sechzig und hat das Gesicht einer Frau, die eine schwere Last trägt. Ihr Mund ist ein waagerechter Strich. Graues Haar, viele Falten. Kleine Hände mit Schwielen und gelben Stellen, Hornhaut. Ein winziger Hocker verschwindet unter ihr. Sie trägt einen verdreckten weißen Kittel, überall Fettflecken. Sie wünscht sich, dass sie genau so gleißend weiß ist wie die Wände um sie herum. Aber sie trägt ihre Last, den Dreck.
Zehn Cent. Sie schaut dem Mann nicht nach.
Ein kleiner, schwarzer, dicker Schandfleck in dieser atemberaubenden Reinheit. Wenn gerade nicht viel los ist, steht sie auf und schlurft von Schüssel zu Schüssel, um den Schmutz wie ein schwarzes Loch in sich hinein zu saugen. Sie sammelt ihn nicht. Sie absorbiert ihn. Der Schmutz dringt durch ihre Kleidung, durchfährt Haut, Fleisch und Knochen und setzt sich an ihrer Seele fest.
Ein Mann geht vorbei, ohne etwas in den Teller zu werfen.
Alle anderen kommen her und erleichtern sich. Sie nimmt, sie steckt ein, sie nimmt alles. Sie lenkt den ganzen mitgebrachten Dreck auf sich um. Der Körper der Frau ist kompakt, Tonnen von Schmutz lasten auf ihren Schultern. Wie Atlas, der die Weltkugel auf seinem Rücken trägt.
Eine Freundin kommt. Sie reden und rauchen. Ihr ist es peinlich, Besuch zu bekommen. Sie sagt: „Ich habe meine Träume das Klo runtergespült.“ Lacht und meint es trotzdem ernst. Seit fünf Jahren arbeitet sie schon hier. Jeden Morgen, wenn ihr Kittel sauber und die Toilette dreckig ist, kehrt sie das Verhältnis um. Jeden Tag vollbringt sie das gleiche Werk. Weiß wird Schwarz, Schwarz wird Weiß.
Stolz? Ehre? Eine Frau kramt in ihrem Geldbeutel und wirft zweiundsiebzig Cent in den Teller.
Kategorien: Bilder
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