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#rzf oder Schnitt(chen)stelle Print-Web oder There’s no Path to Follow

28. August 2009 · 4 Kommentare

Entschuldigungen ob der Verstaubtheit dieses Blogs interessieren niemanden und darum widme ich mich direkt dem Thema: Was passiert, wenn eine Regionalzeitung twittert und ihre Follower einlädt? Es folgt ein (natürlich) subjektiv verblattwerktes und eingefärbtes Gehirnprotokoll eines sogenannten „Followerabends“ in Koblenz: Die Rhein-Zeitung gewährt einigen ihrer Follower Zutritt zum „Newsdesk“ (früher sagte man: Redaktion), spricht mit ihnen und lässt sie in den Eingeweiden der Druckerei herumspazieren.

Und natürlich gibt es Schnittchen.

Um Zeuge dieses Symptoms eines Medienumbruches – und der Reaktionen der tradierten Massenmedien darauf – zu werden, genügt: Fragen. Die Redaktion wählt dann nach mir nicht bekannten Methoden unter der mir nicht bekannten Anzahl von Rückmeldungen eine endliche Anzahl von Followern aus, sendet ihnen ein Word-Dokument mit Angaben zu Zeit/Treffpunkt zu und harrt der Fressen, die da kommen.

Ich fuhr zusammen mit dem mächtigen @senadpalic hin und traf auf ein Grüppchen junger Menschen (wobei jung hier bedeutet: ab 19 über Mittzwanziger bis zu Ü40, aber deutlich U50). Interessant: Neben uns wartete ein Rentnerpärchen, die für eine „normale“, also nicht mit Twitter assoziierbare, Führung gekommen waren. Wäre ja auch ein weltbildzerschmetternder Klops gewesen.

Ein Trainee begrüßte und führte uns in einen Besprechungsraum, wo wir von Lachs-, Schinken- und Salamischnittchen mit Handschlag begrüßt wurden. Dort aßen wir den @RZChefredakteur sowie einen Redakteur des RZ-Twitterteams. Kann aber auch sein, dass ich da was durcheinanderbringe. Auf jeden Fall leiteten die Schnittchen eine kleine Begrüßungsrunde ein, jeder Follower (mit stilechtem Namensschildchen auf dem Tisch) wurde kurz anmoderiert und dann gefragt, wie er/sie zu Twitter gekommen ist, wie es das Leben beeinflusst, welcher Art die eigenen Tweets sind, was man generell davon hält und Hallo und Leckerdarfichnocheinkäseschnittchen und Wowardochgleichderflaschenöffner. Parallel zum Palaver beamte ein Beamer das jeweilige Profil an die Wand und ein RZ-Schnittchen klickte hier und dort auf einen Link. Spaßig und interessant.

Nach der Kür die Pflicht:Wahrscheinlich aus ehrlicher Interessensvermutung führte uns der oben bereits erwähnte Trainee in den handfest-materiellen Part des RZ-Klotzes: Papierkeller, belasertes Aluminium und gigantische und furchtbar schnelle Druckmonster (Assoziation eines Followers: Schiffsmotor). Sehr laut, insofern verstand man nicht so viel von den Ausführungen des Ausführers, außerdem sorgten die eigenen Mobiltelefone im Allgemeinen sowie @senadpalic im Speziellen für diffundierte Aufmerksamkeit.

Man mag versucht sein, solch eine konservative Gebäudeführung im Rahmen einer Zusammenkunft, die sich um ein  shiny new Medium dreht, für ideenlos oder eine Option aus Mangel an Alternativen zu halten. In Wahrheit aber macht genau dieser Kontrast den Reiz einer solchen Veranstaltung aus: Oben redet man über ein gehyptes Internetmedium und im Keller des gleichen Gebäudes rödeln große Maschinen an einem Blatt aus Papier, wie es traditioneller nicht sein könnte (vgl. Altersdurchschnitt der RZ-Leser). Und so ist es eben doch ganz ertragreich, wenn junge Netzmenschen („Digital Natives“, Zitat Christian Lindner) mit großen Augen dabei zusehen, wie sich eine alte Zeitung (wenn auch leicht verspätet) mit den Herausforderungen des Web auseinandersetzt, ohne den Bodenkontakt zu verlieren.

Außerdem, und das ist ein vielsagendes Detail, war der Chefredakteur die ganze Zeit dabei – und das sicherlich nicht, weil ihm sonst langweilig gewesen wäre. Nach der Führung trug ebendieser noch ein paar Dinge zu crossmedialem Journalismus, den verschiedenen Plattformen der Rhein-Zeitung und dem kommenden Wahlmobil vor, was für mich eigentlich der schwächste Moment des Followerabends war, weil er doch eine großzügige Messerspitze Eigenwerbung enthielt (und der @RZChefredakteur wird sich nun in die diabolische Faust lachen, denn das war ja sowieso eine große Heizdeckenfahrt und dass ich darüber blogge ist ja noch viel mehr Reklame und ach herrje). Und so war es auch nur konsequent, dass wir uns zum Abschied entweder ein Taschenlämpchen oder einen RZ-Knirpsregenschirm als Giveaway aussuchen durften. Sicher aufrichtig nett gemeint, aber überflüssig.

Würde man mich zwingen den Abend knapp zu bilanzieren, so würde ich sagen „schön & gut“, inklusive aller darin enthaltener metasprachlicher Signale. Mit viel Mühe umgesetzt, vielleicht noch zu wenig Dialog (wobei ich mir selbst mangelnde Laberlaune vorwerfen lassen müsste und die Herren ja auch mal Feierabend machen wollten). Und so halte ich es mit diesem Followerabend wie mit der Piratenpartei: Es ist wichtig und ein vielsagendes Anzeichen für kommenden Veränderungen, dass es so etwas überhaupt GIBT. Und dass es so etwas gibt, ist gut so.

Ach ja, Fotos wurden auch gemacht:

http://www.flickr.com/photos/senadpalic (von @senadpalic)

http://www.getdropbox.com/gallery/1860398/1/2009-08-27%20RZ%20Followerabend?h=bac795 (von @mittelrheintal)

Kategorien: Besprechungen · schöne Medienlandschaft

Die Chippendales ziehen in den Krieg

10. April 2007 · 6 Kommentare

Was bleibt von einem Film, der kurz nach Erscheinen Debatten über Faschismus auslöst und die Iraner zum Knatschen bringt? Schlechterdings ein vom Kontext aufgeblähtes Konstrukt, das sich selbst nicht mehr erkennt. Ziehen wir uns also Scheuklappen an und richten unseren Blick auf das, worum es eigentlich geht: 300.

Kurz: Alte Schlachtgemälde haben laufen gelernt. Das ist der markanteste Eindruck nach 117 Minuten abstrahierter Bildgewalt. Frank Miller (und somit auch Zack Snyder) greift auf die älteste Semantik der Menschheit zurück – Gut gegen Böse. Und er tut das in einer seltenen Klarheit und Einfachheit. Die superathletischen Spartiaten verteidigen Kind und Kegel gegen Gottkönig Xerxes, eigentlich aber Bruce Darnell 2.0. Da braucht selbiger nicht einmal „mehr Drama“ einzufordern, dafür sorgen schon Leonidas und sein Rudel Testosteronmonster: leichentürmend, apfelessend und kehlenschlitzend als todbringende Chippendales-Division mit homosexuellem Touch.

Dreihundert Männer, ein jeder mit Sixpack aus der Muckibude, das ergibt 1.800 eingeölte Bauchmuskeln, wahrscheinlich härter als jede moderne Kevlarweste. Ein Wunder eigentlich, dass die mannigfache Perserschaft angesichts solcher Männlichkeit nicht die Flucht ergreift. Im Gegenteil: Das Weltreich verpulvert Fußvolk durchsetzt von Zwischen- und Endgegnern, darunter Elefanten, mutierte Samurai und Oger. Und immer brennen die Spartiaten das gleiche Feuerwerk ab: Phalanx, Speerstöße, Blutrausch, Blutbad, Blut. In der Verschnaufpause gibt es frisches Obst.

Herrlich.

Es ist ein Augenschmaus, wenn sich Leonidas in Zeitlupe durch Horden vermummter Perser metzelt, den Tod im Gesicht und mit einem Bein in der Hölle. Wer braucht da die (im Comic nicht einmal enthaltenen) Heimatszenen mit Königin, Intrigen und Frauenschmalz? Was man erwartet, ist eine Leinwand voller Klingen und Blut, stilisierte Kampfkunst erleichtert um Zeit und Raum und ein Minimum an Dialogen. Das bekommt man größtenteils.

Der Freundin sind die Nippel der nackten Mädchen zu groß, der Freund mag Xerxes’ Synchronstimme nicht, ein Grieche trägt deutlich erkennbar eine Impfnarbe auf dem Oberarm – Kleinigkeiten. 300 hat im Trailer eindeutige Erwartungen geweckt. Und 300 hat diese Erwartungen erfüllt. Nicht mehr und nicht weniger. Zack Snyders Film darf als Diashow, als Actionspektakel und ganz bestimmt als geglückte Comicverfilmung gesehen werden.

Aber bitte nicht als Parabel auf Irakkrieg, Riefenstahl oder Herrenrassenthematik. Wer sich dennoch damit beschäftigen will und wem selbst ein Bogen zum 11. September oder Alamo 1836 nicht zuviel ist, wird hier exzellent bedient.

An apple a day keeps the Persian away.

Kategorien: Besprechungen