Man ist erwachsen, wenn man keine sinnlosen Schlüssel mehr an den eigenen Schlüsselbund heften muss, damit er voll aussieht. Man ist erwachsen, wenn der Schlüsselbund schwer und voll ist.
Erwachsen
27. November 2007 · Kommentar schreiben
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König trifft Pöbel oder Schmidt & Pocher
26. Oktober 2007 · 1 Kommentar
Der Harald-Schmidt-Show ging es nicht gut, die Quoten ließen zuletzt zu wünschen übrig. Da hatte jemand von der ARD eine tolle Idee:
Wenn wir doch ohnehin schon den großen Privatsendern immer ähnlicher werden – warum kaufen wir dann nicht einfach ihre Zugpferde ein? Wenn der Mob Pro7 guckt und dort Oliver Pocher sieht, müsste er doch auch ARD gucken, wenn dort Oliver Pocher erscheint.
Soweit der Plan. Dessen Konsequenzen am gestrigen Abend (22:45 Uhr, ARD) bestaunt werden konnten. Die Meldung, dass Pocher bei Schmidt einsteigen würde, war ja eigentlich schon Skandal genug. Der Unterhaltungsgott Schmidt, dieser unantastbare Monolith der deutschen Fernsehlandschaft, holt sich einen selbsternannten B-Promi ins Boot, dessen Witzigkeit sich nicht einmal um das Wort „Gürtellinie“ schert und dessen Mundwerk bisweilen pietätlos locker ist.
Kurz: Schmidt ist Niveau, Pocher ist auf die Fresse.
Interessante Startbedingungen. Aber wie lässt sich das unter einem Sendeformat vereinigen? Was passiert, wenn Frontsau und graue Eminenz aufeinander treffen?
Zunächst einmal nicht viel. Obwohl die große Buchstabenstadt im Vorspann jetzt auch das Wort „Pocher“ enthält und man dementsprechend gespannt ist, erscheint zunächst nur Schmidt. Helmut Zerlett ist wieder da und knittert uns sein Gesicht entgegen – wo ist die Showband mit dem coolen Kiffer?
Harald füllt die ersten fünf Minuten so, wie er es immer tut: Kommentar hier, Zote da, Haha, lustig, was haben wir geklatscht. Und dann donnert der eisenharte Hammer der privaten Gossenunterhaltung hiernieder und zerschmettert ein Stück Fernsehgeschichte: Pocher in der ARD. Sie haben es tatsächlich getan.
Sein Auftakt ist peinlich, der dämliche Tanz hinter der Silhouette symptomatisch. Sein Platz neben Schmidt erinnert an etwaige Nachrichtensendungen. Man beginnt, sich Pointen zuzuwerfen, die Vorlagen wirken konstruiert und angestrengt. Es stört, wenn Oliver zu einem Gag ansetzt und von Harald unterbrochen wird, der dann erst einmal sein eigenes Geschichtchen erzählt und dann: „Sorry, mach’ weiter.“ Und Pocher beginnt noch einmal von vorn, kann seine Pointe aber nicht setzen, weil eine unlustige Kurt-Beck-MAZ gezeigt werden muss. Ein zerstückelter blassroter Faden schimmert hervor.
Angenehm ist hingegen, dass Pocher tatsächlich zum dummen August und Handlanger Schmidts gemacht wird, insbesondere in den Beiträgen zum Promi-Pilgern (schlecht) und dem Ärztekram (gut). Das tolle Gerät, mit dem Pocher im Bildschirm herummalen kann, hätte ruhig offensiver eingesetzt werden können. Warum – und es lag so nahe – malt Oliver dem Herrn Schmidt nicht ein Hitlerbärtchen ins Gesicht? Es wäre zumindest stringent gewesen…
Günther Jauch bewegt sich kantig und steif, ist aber sympathisch wie immer – und angemessen schlagfertig. Am Ende entschuldigt sich der Meister für eventuelle Patzer der ersten Sendung – eine rhetorische Nullnummer.
Insgesamt tun sich Schmidt und Pocher ein wenig schwer. Schmidt weiß noch nicht mit einem Helferlein umzugehen, das nicht Manuel Andrack heißt. Pocher hat zwar eingesehen, dass er nur Co-Moderator ist, verhält sich aber ansonsten genau wie im Privatfernsehen. Für ihn persönlich ist es empfehlenswert, sich nicht zu verbiegen, denn Pocher ist mittlerweile Marke. Aber das öffentlich-rechtliche Korsett passt ihm einfach nicht.
Vielleicht wird er sich hineinzwängen, wir werden sehen. Nächsten Donnerstag zum Beispiel.
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Gärtner und Folie
23. Oktober 2007 · Kommentar schreiben
Der Gärtner ist immer das Opfer.
Leute, die das Display neu erworbener Elektrogeräte nicht von der durchsichtigen Schutzfolie befreien, haben nie gelebt.
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Ein Gedicht (Gastbeitrag)
13. Oktober 2007 · 1 Kommentar
Meine Mutter
isst gern Butter
und Sour Cream, Schinkenwürstchen, Fischsalat, Kartoffelsalat, Ofenkartoffeln und das in großen Mengen.
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Conrad Kerbel
28. September 2007 · Kommentar schreiben
Obwohl oder vielleicht gerade weil ihm die Sonne so früh am Morgen schon voll ins Gesicht schien, war der junge Mann wütend. Er hatte verschlafen, Kaffee verschüttet und er wusste noch nicht, was ihm gleich vollends den Tag versauen würde. Dann sah er den Blitz.
~
„Achtundachtzig, das sind achtunddreißig zuviel.“ Conrad Kerbel notierte Kennzeichen, Fahrzeugmodell und überschrittene Höchstgeschwindigkeit mit einem behaglich warmen Glühen im Bauch auf seinem Ringbuchblock mit Karopapier. Um seine Mundwinkel kämpfte ein schiefes Grinsen um sein Überleben, wurde aber dann vom eisigen Kalkül des jungen Herrn Kerbel niedergerungen.
Der rote Toyota mit dem blonden Proleten am Steuer war sein fünfter „Fang“, wie Conrad zu sagen pflegte, an diesem frischen Sommermorgen. Keine schlechte Bilanz – aber ausbaufähig. Ein keimender Sommer lockerte eben das Testosteron und verwandelte die ohnehin schon unerträgliche Menschenplage völlig in eine Horde Wilder. „Wilde mit Bleifuss“, bei diesem Gedanken röchelte sich ein krummes Lachen hervor aus dem tiefsten Graben, der noch einen letzten Funken Menschlichkeit enthielt, im vertrockneten Innern Conrads.
Später würde Conrad die gesammelten Geschwindigkeitsübertretungen – und, falls nötig, weitere beobachtete Ordnungswidrigkeiten – wie jeden Tag bei der lokalen Polizeidienststelle einreichen und darauf bestehen, Strafanzeige gegen jeden einzelnen im Protokoll vermerkten Verkehrssünder zu erstatten. Wie üblich, würden die Polizisten sein handbeschriebenes Papier zwar entgegennehmen, umgehende Bearbeitung versprechend, es im Hinterraum aber im Müll verschwinden lassen und sich lustig machen über diesen Pollunder tragenden Wunderling mit fettigem Haar. Aber das wusste Conrad nicht.
Und so saß er den ganzen Sonntag in seinem alten Audi an der Bundesstraße 414 und richtete seine Radarfalle, die er für viel Geld im Internet ersteigert und repariert hatte, auf den entgegenkommenden Verkehr. Mama wäre stolz, könnte sie ihn so sehen.
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Unterentwickeltes Passau
21. September 2007 · Kommentar schreiben
Absichtliche Journalisten-Punchline oder Versehen? Ich unterstelle angesichts der ohnehin abnehmenden Qualität von Spiegel Online – Verpanoramasierung und Galileo-Syndrom (sollte ich irgendwann gesondert erläutern) – einfach mal letzteres.

Immerhin: Danke für den Lacher!
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Mann mit Gitarre und Hut aus Platin
18. September 2007 · Kommentar schreiben
Der Mann spielt sein Lied auf der Gitarre. Wie immer. Er spielt das einzige Lied, das er kann: Das Westerwald-Lied.
Heute wollen wir marschieren
Einen neuen Marsch probieren
In dem schönen Westerwald
Ja da pfeift der Wind so kalt.
Dabei fällt ihm heute das Singen, das in Wahrheit ein halbherziges Murmeln ist, besonders schwer. Gestern Nacht, er hatte es sich gerade unter einer wärmenden Schicht Blattgold und Diamantstaub gemütlich gemacht, kam eine Gruppe Friedensnobelpreisträger grölend über die Straße gewankt und fand es erbauend, ihm die Seele aus dem Leib zu prügeln.
Oh du schöner Westerwald
Über deine Höhen pfeift der Wind so kalt
Jedoch der kleinste Sonnenschein
Dringt tief in’s Herz hinein.
In der Pause zwischen Refrain und zweiter Strophe, die er wie gewohnt mit einem selbst ausgedachten Solo füllt, fühlt er mit der Zunge seinen Zähnen nach, die jetzt irgendwo vom Mahlwerk der urbanen Bordsteinkultur zerbröselt werden. Wie lange es wohl braucht, bis der Zahnschmelz nachgibt? Egal – der Mann fühlt keine Trauer, die verlustig gegangenen Beißwerkzeuge gehörten zu seinem sechsten Satz und er hat noch unzählige Gebisse übrig, die er in seinen Samsonite-Koffern unter Brücken und in U-Bahnhöfen versteckt. In der ganzen Stadt verstreut.
Und die Gretel und der Hans
Geh’n des Sonntags gern zum Tanz
Weil das Tanzen Freude macht
Und das Herz im Leibe lacht.
Weit und breit ist niemand, der seine Musik hört. Aber das macht ihm nichts aus, er hat seine Plattenverträge buchstäblich in der Tasche und scheißt auf sein Publikum. Einmal hat er einer Zuhörerin ein Stofftaschentuch abgeschwatzt und es für die Toilette (und andere Dinge) benutzt. Und während er da so hockte und sich abputzte, kam ihm der amüsierende Gedanke, dass er auf sein Publikum scheiße. Heute lacht der Mann darüber, genau so laut und lange wie er damals gelacht hatte.
Ist das Tanzen dann vorbei
Gibt’s gewöhnlich Keilerei
Und dem Bursch’ den das nicht freut
Man sagt der hat kein Schneid.
Dort biegt ein Zuhörer um die Ecke. Er scheint angespannt zu sein, denn beim Gehen blickt er starr vor sich auf den Boden. Kurz hebt er die Augen, um den Mann mit Gitarre und Hut aus Platin anzusehen. Doch sofort, als würde er sich schämen, senkt er seinen Blick wieder gen Betonboden. Der Mann hat sein Lied beendet, also erhebt er sich aus seinem Thron aus antiken Silbermünzen und geht schnellen Schrittes zum Zuhörer, der ja jetzt eigentlich kein Zuhörer mehr ist, weil das Lied vorbei ist. Also nennen wir ihn Passanten. Der Mann mit Gitarre und Hut aus Platin schreitet also zum Passanten, der verdutzt stehen bleibt. Er greift in die Tasche seines makellosen Strellson-Sakkos und findet ein zerknüllte Kugel aus Wertpapieren, Besitzurkunden und Geldscheinen sowie mehrere ungeschliffene Smaragde und Rubine. Wahllos greift er nach dem, was seine Finger finden, und zieht eine handvoll Reichtümer hervor, die er dem Passanten hinhält.
„Hier. Als Proviant für die lange Reise.“
Der Passant entgegnet: „Ach, lassen Sie mich doch in Ruhe mit ihrer Geldscheiße, ich brauche diesen Mist nicht.“ Als der Mann mit Gitarre und Hut aus Platin sein Geschenk nicht wieder einsteckt, schlägt der Passant es ihm aus der Hand. Ein Rubin klackert umständlich über das Gitter eines Gullideckels, bis er in der Kanalisation verschwindet. Sie sehen ihm dabei zu. Als beide wieder auf- und sich in die Augen schauen, schnaubt der Passant ein wütendes „Guten Tag“ und hastet weiter.
Der Mann mit Gitarre und Hut aus Platin setzt sich wieder an seinen Platz und stimmt sein Lied an.
Heute wollen wir marschieren…

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Der flache Tümpel
6. August 2007 · Kommentar schreiben
Der flache Tümpel
Ein Katzenhaar schwimmt im Kreis,
Kein Wort fällt hier.
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Wo der Mistkäfer scheitert:
5. August 2007 · Kommentar schreiben
Wo der Mistkäfer scheitert:
Nach vielen Tagen Arbeit
Rollt jetzt nichts.
→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Haiku · Sommer
Mediale Dekonstruktion
30. Juni 2007 · 3 Kommentare
Dank gebührt Air.
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