König trifft Pöbel oder Schmidt & Pocher

Der Harald-Schmidt-Show ging es nicht gut, die Quoten ließen zuletzt zu wünschen übrig. Da hatte jemand von der ARD eine tolle Idee:

Wenn wir doch ohnehin schon den großen Privatsendern immer ähnlicher werden – warum kaufen wir dann nicht einfach ihre Zugpferde ein? Wenn der Mob Pro7 guckt und dort Oliver Pocher sieht, müsste er doch auch ARD gucken, wenn dort Oliver Pocher erscheint.

Soweit der Plan. Dessen Konsequenzen am gestrigen Abend (22:45 Uhr, ARD) bestaunt werden konnten. Die Meldung, dass Pocher bei Schmidt einsteigen würde, war ja eigentlich schon Skandal genug. Der Unterhaltungsgott Schmidt, dieser unantastbare Monolith der deutschen Fernsehlandschaft, holt sich einen selbsternannten B-Promi ins Boot, dessen Witzigkeit sich nicht einmal um das Wort „Gürtellinie“ schert und dessen Mundwerk bisweilen pietätlos locker ist.

Kurz: Schmidt ist Niveau, Pocher ist auf die Fresse.

Interessante Startbedingungen. Aber wie lässt sich das unter einem Sendeformat vereinigen? Was passiert, wenn Frontsau und graue Eminenz aufeinander treffen?

Zunächst einmal nicht viel. Obwohl die große Buchstabenstadt im Vorspann jetzt auch das Wort „Pocher“ enthält und man dementsprechend gespannt ist, erscheint zunächst nur Schmidt. Helmut Zerlett ist wieder da und knittert uns sein Gesicht entgegen – wo ist die Showband mit dem coolen Kiffer?

Harald füllt die ersten fünf Minuten so, wie er es immer tut: Kommentar hier, Zote da, Haha, lustig, was haben wir geklatscht. Und dann donnert der eisenharte Hammer der privaten Gossenunterhaltung hiernieder und zerschmettert ein Stück Fernsehgeschichte: Pocher in der ARD. Sie haben es tatsächlich getan.

Sein Auftakt ist peinlich, der dämliche Tanz hinter der Silhouette symptomatisch. Sein Platz neben Schmidt erinnert an etwaige Nachrichtensendungen. Man beginnt, sich Pointen zuzuwerfen, die Vorlagen wirken konstruiert und angestrengt. Es stört, wenn Oliver zu einem Gag ansetzt und von Harald unterbrochen wird, der dann erst einmal sein eigenes Geschichtchen erzählt und dann: „Sorry, mach‘ weiter.“ Und Pocher beginnt noch einmal von vorn, kann seine Pointe aber nicht setzen, weil eine unlustige Kurt-Beck-MAZ gezeigt werden muss. Ein zerstückelter blassroter Faden schimmert hervor.

Angenehm ist hingegen, dass Pocher tatsächlich zum dummen August und Handlanger Schmidts gemacht wird, insbesondere in den Beiträgen zum Promi-Pilgern (schlecht) und dem Ärztekram (gut). Das tolle Gerät, mit dem Pocher im Bildschirm herummalen kann, hätte ruhig offensiver eingesetzt werden können. Warum – und es lag so nahe – malt Oliver dem Herrn Schmidt nicht ein Hitlerbärtchen ins Gesicht? Es wäre zumindest stringent gewesen…

Günther Jauch bewegt sich kantig und steif, ist aber sympathisch wie immer – und angemessen schlagfertig. Am Ende entschuldigt sich der Meister für eventuelle Patzer der ersten Sendung – eine rhetorische Nullnummer.

Insgesamt tun sich Schmidt und Pocher ein wenig schwer. Schmidt weiß noch nicht mit einem Helferlein umzugehen, das nicht Manuel Andrack heißt. Pocher hat zwar eingesehen, dass er nur Co-Moderator ist, verhält sich aber ansonsten genau wie im Privatfernsehen. Für ihn persönlich ist es empfehlenswert, sich nicht zu verbiegen, denn Pocher ist mittlerweile Marke. Aber das öffentlich-rechtliche Korsett passt ihm einfach nicht.

Vielleicht wird er sich hineinzwängen, wir werden sehen. Nächsten Donnerstag zum Beispiel.

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Eine Antwort zu “König trifft Pöbel oder Schmidt & Pocher

  1. Scharfsinnig beobachtet – scharfzüngig geschrieben. Die einzig geniale Leistung von Pocher ist, dass er für die oberpeinliche Nichtleistung als Comedian Kohle bekommt – und sicher nicht zu knapp. Im Kontrast zum Altmeister wird jetzt wohl jede Woche die Vereinigung von Peinlichkeit und das geistige Vakuum gnadenlos entlarvt werden.
    WA

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